Recht schreiben lernen an der GMS – in der Rechtschreibwerkstatt

„Wie schreibt man es denn nun? Suwenir, Souvenier, Soufenir oder Souvenir? Was bedeutet das Wort überhaupt?“
Das fragten sich vor einigen Tagen etliche 4.-Klässler der GMS. Zugegeben – bei solchen Wörtern müssen auch Erwachsene schon einmal überlegen. Schließlich ist die deutsche Rechtschreibung nicht gerade die Einfachste…Was gibt es da nicht alles für Regeln, die man lernen kann (und sollte): „Wörter einer Wortfamilie sind verwandte Wörter und haben den gleichen Wortstamm“ oder „Die Wortbausteine ver- und vor- schreibt man mit v“ oder „ein Dehnungs-h steht fast nur vor den Buchstaben l,m,n und r im Wortstamm“. Alles klar? Natürlich beherrschen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, diese Regeln alle im Schlaf …

Damit die Schüler der GMS ein wenig Einblick in das Wirrwarr der Rechtschreibregeln gewinnen und diese anwenden lernen, wird seit einigen Wochen ein neues Rechtschreibkonzept angewendet. Manche nennen es „Stumpi“, andere „Sommer-Stumpenhorst“ nach dem „Begründer“ dieses Konzepts, wiederum andere sprechen von RSW-Büros oder von ominösen Abkürzungen wie LB, LV, WA usw.

Eigentlich geht es um eine „Rechtschreibwerkstatt“, ein „Recht-schreibhaus“, bei der die Kinder entsprechend ihres Lernstandes in „Büros“ eingeteilt werden. In diesen „Büros“ soll ihnen die Ordnung und Struktur der deutschen Rechtschreibung verständlich gemacht werden. So sollen die Kinder v.a. eine Vorstellung davon bekommen, dass die Rechtschreibung geordnet und überschaubar ist. In jedem „Büro“ lernt man etwas anderes: In den Büros im „Erdgeschoss“ z.B. die Ordnung der Laute, im „1.Obergeschoss“ die Ordnung der Wörter und im „2. Obergeschoss“ die Ordnung der Sätze. Im Erdgeschoss sind die Kinder „Lehrlinge“ – sie lernen dann beispielsweise, dass man bei manchen Lauten mehrere Buchstaben schreibt. So schreibt man für den Laut <sch> drei Buchstaben. Immer wieder entwickeln sich die Kinder weiter – vom „Lehrling“ zum „Gesellen“ und schließlich zum „Meister“. Dabei lernen die Kinder nicht gleich schnell. Einige brauchen viel Zeit, um die Prinzipien im Erdgeschoss zu verinnerlichen, andere brauchen Zeit für das 1.Obergeschoss. Wichtig ist, dass jeder in seinem Tempo die einzelnen Lernschritte bewältigen kann. Zweimal in der Woche verwandelt sich die GMS in ein solches „Rechtschreibhaus“ – dann wird es sehr lebendig auf den Fluren. Jeder sucht sein „Büro“ auf, das sich in einem der Klassenräume befindet. Hier lernt man dann mit anderen Kindern aus den verschiedenen Klassen neue „Rechtschreibregeln“ und vertieft diese mit immer wiederkehrenden Übungen. Hier sortiert Lea Wortkarten nach einem bestimmten Laut am Wortanfang, dort schreibt Christian einen Abschreibtext ab und Timo sucht in einem Wörterbuch nach Wörtern mit Dehnungs-h. Ob das alles etwas nützt? In jedem Fall – die Kinder haben ein wesentlich intensiveres Rechtschreibtraining als noch im letzten Schuljahr und werden regelmäßig auf den Lernstand hin überprüft. So bekommen die Lehrer ein recht genaues Bild vom Stand der Rechtschreibkompetenz bei dem jeweiligen Kind. Jedoch – auch zu Hause muss etwas getan werden. Vielen Kindern fehlt ein „Gespür“ für die Rechtschreibung und einige schreiben leider in Klasse 3 oder 4 immer noch so „wie mann schpricht“! Lernkarteien oder gute PC-Rechtschreiblernprogramme für zu Hause können da helfen. Nehmen Sie sich Zeit, die Kinder immer wieder auf Rechtschreibphänomene hinzuweisen, sie zum Schreiben zu motivieren und dabei zu einer korrekten Rechtschreibung anzuhalten. Denn – trotz aller Rechtschreibbüros – der Lernerfolg hängt laut Untersuchungen nur zu ca. 25 Prozent vom Unterricht ab. Die anderen 75% werden durch die Begabung und die Einflüsse des Elternhauses verursacht (Prof. H. Meyer in „Schulmanagement 5/05“). Aber es lohnt sich für uns Lehrer, für diese 25 Prozent zu „kämpfen“!
Na dann – ein Hoch auf die Rächtschraibunk!
Ch.M.

P.S.: Wenn Sie sich ein Bild von der Arbeit in der Rechtschreibwerkstatt machen oder helfen möchten, sind Sie dazu herzlich eingeladen!

Wegen Lehrermangel kann die Rechtschreibwerkstatt im Schuljahr 2018/2019 leider nicht angeboten werden.